Das Glück ist mit den Dummen — Westkanada im Winter

Im Nach­hin­ein betrach­tet, hät­te ziem­lich viel schief gehen kön­nen, als ich im Febru­ar 2017 mit mei­nem bes­ten Freund Felix nach Van­cou­ver flog. Der Plan war, mit dem Miet­wa­gen von der Metro­po­le in West­ka­na­da bis nach Cal­ga­ry in Alber­ta zu fah­ren.

Wegen Schnee und Eis gesperr­te Stra­ßen, “Bären” und einem Miet­wa­gen ohne wirk­li­che Win­ter­rei­fen wur­de der gan­ze Road­t­rip jedoch deut­lich span­nen­der als wir uns erhofft hat­ten. Aber dazu erzäh­le ich dir spä­ter mehr. Fan­gen wir von vor­ne an.

Planung und Vorbereitung

Im Som­mer 2016 plan­te ich mei­nen ers­ten ech­ten Road­t­rip. Der Wes­ten Kana­das war schon lan­ge ein Sehn­suchts­ziel für mich: tol­le Wan­der­stre­cken, ein­zig­ar­ti­ge Land­schaf­ten mit tol­len Seen und natür­lich die berühm­ten Rocky Moun­tains. Felix muss­te nicht lan­ge über­zeugt wer­den und so saßen wir stun­den­lang vor Rei­se­füh­rern, Lap­tops und Smart­pho­nes und tüf­tel­ten unse­re Wunsch­rou­te aus.

Nach der Ankunft in Van­cou­ver und einem Auf­ent­halt hier soll­te es wei­ter nach Kelow­na, Kam­loo­ps und Clear­wa­ter gehen. Jasper und Banff als High­lights, stan­den kurz vor dem Abschluss in Cal­ga­ry auf dem Plan. Flug, Miet­wa­gen und Unter­künf­te waren schnell gefun­den, zu Hau­se such­te ich mir mei­ne Aus­rüs­tung zusam­men. Jetzt muss­te es nur noch Febru­ar wer­den.

See in Alberta, Kanada während der Tour per Mietwagen in Westkanada
See in Alber­ta

Ein Tipp von mir an dich: Wenn du einen ähn­li­chen Road­t­rip planst, ach­te dar­auf, dass du von Van­cou­ver nach Cal­ga­ry fährst, hier zahlst du für den Miet­wa­gen kei­ne Ein­weg­mie­te. Star­test du in Alber­ta und fährst nach Bri­tish Colum­bia, fällt eine Gebühr an.

fasten your seatbelts

Dann war der Tag der Anrei­se end­lich da. Die Zeit, die sich vor­her wie Kau­gum­mi zog, ging nach der Ankunft in Frank­furt am Flug­ha­fen ganz schnell vor­bei. Wir gaben unser Gepäck auf, war­te­ten am Gate nach der Sicher­heits­kon­trol­le und star­te­ten ins Aben­teu­er.

Mit Air­Fran­ce flo­gen wir über Paris ins wun­der­schö­ne Van­cou­ver. Auf der Lang­stre­cke däm­mer­te uns dann tat­säch­lich das ers­te Mal, dass es in Kana­da etwas mehr schneit als in Deutsch­land. Neben uns saß ein net­ter Kana­di­er, mit dem wir schnell ins Gespräch kamen und uns über unse­re Rei­se­zie­le unter­hiel­ten. Er frag­te uns dann, wel­che Stra­ßen wir neh­men wol­len, die sei­en ja alle gesperrt wegen des Schnees. Wir hat­ten kurz dar­auf nur noch recht wenig Far­be im Gesicht und hoff­ten das Bes­te. Jetzt war es ohne­hin zu spät zum Umpla­nen.

Ein paar Stun­den spä­ter lan­de­ten wir in Van­cou­ver. Auch hier wur­den wir schief ange­guckt, als wir bei der Ein­rei­se erzähl­ten was unse­re Absicht des Auf­ent­halts ist. Man wünsch­te uns nach mehr­ma­li­gem Nach­fra­gen, ob das wirk­lich unser Ernst sei, nur “good luck” und lies uns zur Miet­wa­gen­fir­ma zie­hen. Dann ging es wirk­lich los! Aller­dings mit All­wet­ter-Rei­fen, nicht mit Win­ter­rei­fen. Wird schon schief­ge­hen, dach­ten wir uns und fuh­ren in die Innen­stadt.

Flughafenausblick Vancouver Airport während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Ankunft in Van­cou­ver bei bes­tem Wet­ter

Vancouver — krasser Kontrast

Wenn du Sur­fen, Ski­fah­ren und Wale beob­ach­ten nicht nur an einem Ort, son­dern sogar am sel­ben Tag machen willst, bist du in Van­cou­ver genau rich­tig. Die größ­te Stadt West­ka­na­das hat mich mäch­tig beein­druckt und gleich­zei­tig scho­ckiert.

Van­cou­ver ist ver­mut­lich die ein­zi­ge Metro­po­le, die gleich­zei­tig von mas­si­ver Berg­land­schaft und dem Meer umge­ben ist. Man neh­me dazu noch einen bun­ten Mix aller mög­li­chen Kul­tu­ren und erhält eine unver­gleich­ba­re Stadt mit Wie­der­erken­nungs­wert. Tol­le Sehens­wür­dig­kei­ten, eine schö­ne Innen­stadt und ein noch schö­ne­rer Hafen sind mir sehr posi­tiv in Erin­ne­rung geblie­ben.

Spaziergang oder Weltreise?

Aber nicht alles hier ist rosa­rot. Das merk­te ich schnell bei einem Spa­zier­gang durch die Stadt am zwei­ten Tag hier. Dro­gen und Obdach­lo­sig­keit sind hier lei­der ein all­täg­li­ches Bild. Viel­leicht nicht in der schi­cken Innen­stadt, aber sobald du weni­ge Minu­ten aus der City raus­gehst, wirst du mer­ken was ich mei­ne.

Aber zurück zu den posi­ti­ven Din­gen von Van­cou­ver. Bei der ers­ten Tour zu Fuß in Kana­da woll­ten wir uns nur kurz einen Über­blick ver­schaf­fen. Durch die Zeit­ver­schie­bung wach­ten wir bereits um 05:00 Uhr auf. Wir pack­ten unse­re Ruck­sä­cke und such­ten den nächs­ten “Tim Hor­tons” auf (die­se Läden gibt es in Kana­da unfass­bar oft). Die Schnell­re­stau­rant-Ket­te ist auf Früh­stück und Kaf­fee spe­zia­li­siert und mei­ner Ein­schät­zung nach geht jeder kana­di­sche Staats­bür­ger min­des­tens ein­mal am Tag in einen die­ser Läden.

Nach dem Früh­stück ging es wei­ter zu Fuß. Bei bes­tem Wet­ter stat­te­ten wir ein paar der 230 Parks einen Besuch ab und ver­trie­ben uns die Zeit bis zum Mit­tag­essen. Da uns das doch sehr def­tig gera­te­ne Früh­stück noch etwas im Magen lag, such­ten wir uns etwas Leich­tes in einer der vie­len Malls. Nicht nur typi­sches nord­ame­ri­ka­ni­sches Essen, son­dern auch exzel­len­tes asia­ti­sches Essen fin­dest du hier. Der Grund dafür ist ein­fach. Über 40% der Men­schen hier sind Asia­ten. Zählt man die wei­te­ren nicht-euro­päi­schen Eth­ni­en hin­zu, bedeu­tet das, dass fast 50% der Bevöl­ke­rung zur “visi­ble mino­ri­ty group” (sicht­ba­re Min­der­heit) gehö­ren. Daher könn­te man mei­nen, man unter­nimmt eine klei­ne Welt­rei­se statt einem Spa­zier­gang, wenn man durch die Stadt­tei­le Chi­na­town, Pun­ja­bi Mar­ket, Litt­le Ita­ly, Japan­town, Koreatown oder sogar Greek­town geht.

Lynn Canyon

Gestärkt vom Mit­tag­essen mach­ten wir uns mit dem Auto auf den Weg zum Lynn Can­yon etwas außer­halb von North Van­cou­ver. Der Park besteht aus einer bekann­ten und ziem­lich gro­ßen Hän­ge­brü­cke und vie­len Wan­der­pfa­den, die zu Was­ser­fäl­len und klei­ne­ren Was­ser­be­cken füh­ren. Es ist hier wirk­lich wun­der­schön und der Ein­tritt ist frei, daher ist die­ser Can­yon mei­ne Emp­feh­lung an euch. Gera­de im Som­mer kann es hier aller­dings auch etwas vol­ler wer­den, star­tet daher bes­ser früh.

Auf in den Norden!

Nach drei Tagen vol­ler Wan­de­run­gen, gutem Essen und Sight­see­ing sag­ten wir der Stadt Good­bye. Felix hat ent­fern­te Ver­wand­schaft in Kana­da, wo wir vor der Anrei­se schon zum Pan­ca­kes essen ein­ge­la­den wur­den. Die Ein­la­dung nah­men wir natür­lich herz­lich ger­ne an. Auf unse­rem Weg nach Kelow­na stopf­ten wir uns also noch mit reich­lich Pan­ca­kes voll und bra­chen bei bes­tem Road­t­rip-Wet­ter zu dem rund 400 km ent­fern­ten nächs­ten Ziel auf.

Highway 1, British Columbia während der Tour per Mietwagen in Westkanada
High­way 1, kurz hin­ter Van­cou­ver

Happy Birthday!

Abends in Kelow­na ange­kom­men, gab es noch einen Grund zu fei­ern: Mei­nen Geburts­tag! Die gro­ße Par­ty lie­ßen wir aber aus­fal­len. Wir bei­de, sicht­lich platt von der lan­gen Fahrt und den ver­gan­ge­nen Tagen, einig­ten uns auf ein ordent­li­ches Abend­essen im Restau­rant.

Am nächs­ten Mor­gen star­te­ten wir früh ins nächs­te Quar­tier in Kam­loo­ps. Bevor wir aller­dings rich­tig los konn­ten, muss­ten wir unser Auto ver­arz­ten las­sen. Kurz hin­ter der Stadt­gren­ze leuch­te­te das Warn­sym­bol für den Rei­fen­druck auf und ich fuhr an die nächs­te Tank­stel­le. Dia­gno­se: Nagel im Rei­fen!

Platter Reifen des Mietwagen während der Tour per Mietwagen in Westkanada

An die­ser Stel­le möch­te ich den Ser­vice des Miet­wa­gen­an­bie­ters loben. Wir rie­fen die Hot­line an, wo man uns sofort einen Mecha­ni­ker vor­bei­schick­te, der uns das Not­rad auf­zog und uns zur nächs­ten Werk­statt beglei­te­te. Hier beka­men wir in Best­zeit unse­ren Rei­fen geflickt und wir konn­ten voll­kom­men kos­ten­los in weni­ger als 90 Minu­ten wei­ter­fah­ren.

Kelow­na liegt deut­lich wei­ter im Nor­den als Van­cou­ver. Wir kamen also ziem­lich schnell in den Genuss von ziem­lich viel Schnee. Ab hier schau­ten wir täg­lich mehr­fach auf die aktu­el­le Ver­kehrs- und Wet­ter­la­ge, um zu sehen, wel­che Stra­ßen gesperrt waren und wel­che nicht. Wir konn­ten nur noch Tag für Tag pla­nen und such­ten uns bereits alter­na­ti­ve Unter­künf­te, für den Fall, dass wir den nächs­ten Ort nicht errei­chen konn­ten, da ziem­lich vie­le Stra­ßen gesperrt waren.

Eine tol­le Sei­te dafür ist übri­gens: www.theweathernetwork.com. Hier könnt ihr für ganz Kana­da die Sicht- und Stra­ßen­ver­hält­nis­se ein­se­hen.

Doch wir kamen heil in Kam­loo­ps an und wan­der­ten hier durch die schö­ne Natur der Lac Du Bois Grass­lands.

Lac Du Bois Grasslands während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Lac Du Bois Grass­lands

Beson­ders weit kamen wir auf­grund des Schnees aller­dings nicht und so kehr­ten wir gegen Nach­mit­tag zurück und lie­ßen den Abend in einer Bar aus­klin­gen.

Eisige Wasserfälle

Am 7. Tag unse­res Road­t­rips führ­te die Rou­te nach Clear­wa­ter. Unter­wegs heißt es unbe­dingt Augen offen hal­ten! Hier gibt es unfass­bar vie­le Seen und Parks die sich loh­nen zu besu­chen. Beson­ders im Win­ter ist die Regi­on ein ein­zi­ges beein­dru­cken­des Natur­er­leb­nis.

In Clear­wa­ter ange­kom­men, bezo­gen wir unser nächs­tes Quar­tier und star­te­ten unse­re heu­ti­ge Tour. Wir woll­ten mög­lichst weit in den Nor­den des Wells Gray Pro­vin­cial Park. Die Stra­ße war aller­dings wei­test­ge­hend gesperrt, trotz­dem fuh­ren wir dort ein gutes Stück ent­lang. Die meis­ten Ein­fahr­ten zu beschil­der­ten Was­ser­fäl­len und Seen waren kom­plett mit meter­ho­hen Schnee­schich­ten bedeckt, sodass wir uns auf die erreich­ba­ren Was­ser­fäl­le beschränk­ten und die Moul Falls und Helm­cken Falls ansteu­er­ten.

Moul Fall, Clearwater während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Moul Fall

Die Moul Falls erreichst du nach einem etwa drei Kilo­me­ter lan­gem Weg durch einen Wald. Auf unse­rem Weg dort­hin muss­ten wir kurz stut­zen: Wir wuss­ten aus unse­rem Rei­se­füh­rer, dass Ende Febru­ar die ers­ten Bären in Kana­da wie­der aus dem Win­ter­schlaf erwa­chen. Als wir dann einen ziem­lich gro­ßen Hau­fen Tier­kot sahen, wur­den wir etwas para­no­id. Die Tie­re sei­en kurz nach dem Auf­wa­chen nicht gera­de freund­lich.

Als wir die Moul Falls dann doch bären­frei erreich­ten, tra­fen wir ein Pär­chen, das dort mit Hund und Droh­ne bewaff­net Fotos des beein­dru­cken­den Was­ser­falls schoss. Wir kamen ins Gespräch und frag­ten, ob sie auch den Bären­mist gese­hen hät­ten. Als sie ver­nein­ten und sag­ten, dann muss die aber ziem­lich frisch sein, waren wir nicht gera­de wesent­lich beru­hig­ter. Wir ent­schlos­sen uns gemein­sam zurück zu gehen und zusam­men zu den Helm­cken Falls zu fah­ren. Auf dem Weg zurück zum Auto kamen wir an unse­rem Tier­kot­hau­fen vor­bei. Die rest­li­chen andert­halb Kilo­me­ter muss­ten wir uns dann das Geläch­ter des Paa­res gefal­len las­sen, die uns erklär­ten, dass das maxi­mal ein Reh gewe­sen sein könn­te. So kann man sich täu­schen…

Ein paar Kilo­me­ter spä­ter erreich­ten wir gemein­sam die Helm­cken Falls. Ein unfass­ba­res Bild erwar­tet dich hier, wenn du die­sen Was­ser­fall besuchst. Vom Murt­le Pla­teau aus stürt­zen die Was­ser­mas­sen 140 Meter in die Tie­fe bevor sie im Clear­wa­ter River ein­flie­ßen. Im Win­ter bil­det sich so ein rie­si­ger Eis- und Schnee­kra­ter.

Helmcken Falls, Clearwater während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Helm­cken Falls — Clear­wa­ter

Auf nach Jasper!

Am nächs­ten Mor­gen bra­chen wir auf zu dem Ziel auf das wir uns am meis­ten gefreut hat­ten. Der nörd­lichs­te Punkt unse­rer Rou­te war unser Tages­ziel. Nach­dem am Vor­tag die Stre­cke von Clear­wa­ter nach Jasper noch wegen Schnee und Eis gesperrt war und wir schon kräf­tig zit­ter­ten, hat­ten wir Glück und die Stre­cke schien geräumt zu sein. Wir star­te­ten die etwa 300 Kilo­me­ter mit einem mitt­ler­wei­le zur Gewohn­heit gewor­de­nen Früh­stück bei Tim Hor­tons und gaben Gas!

Mount Tekarra während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Blick auf den Mount Tekar­ra

Wie man auf dem Bild sehen kann, hat­ten wir wie­der ziem­li­ches Glück mit dem Wet­ter und fuh­ren bei strah­len­dem Son­nen­schein und nur leicht schnee­be­deck­ter Stra­ße über die Rocky Moun­tains nach Jasper in Alber­ta.

Jasper liegt im gleich­na­mi­gen berühm­ten Natio­nal­park. Mit einer Flä­che von über 10.000 km² ist die Regi­on der größ­te Natio­nal­park der kana­di­schen Rocky Moun­tains. Ent­spre­chend viel gab es hier zu sehen.

Im Som­mer wie im Win­ter ein High­light ist sicher der Mali­gne Can­yon. Die Schlucht mit dem durch­flie­ßen­den Was­ser­lauf und vie­len klei­nen Was­ser­fäl­len kann fast kom­plett durch­wan­dert wer­den. Ein gut aus­ge­bau­ter Weg führt dich vor­bei an Höh­len und durch einen wirk­lich schö­nen Wald. Die knapp 3,5 km lan­ge Stre­cke (ein Weg) kann im Win­ter über den Was­ser­lauf selbst zurück­ge­legt wer­den. Hier wer­den extra Tou­ren mit Eis-Spikes ange­bo­ten, um das gan­ze gefro­re­ne Spek­ta­kel zu bestau­nen.

Icefields Parkway — Highway 93

288 Kilo­me­ter trenn­ten uns von unse­rem nächs­ten Ziel Banff. Die­se 288 Kilo­me­ter soll­ten aber zur größ­ten Zit­ter­par­tie unse­res Road­t­rips wer­den. Auch die­se Stra­ße war noch tags zuvor gesperrt und am 9. Tag unse­rer Rei­se frei­ge­ge­ben wor­den. Aller­dings mit gro­ßen Warn­hin­wei­sen: “dif­fi­cult, cove­r­ed sur­face” (schwie­ri­ge, bedeck­te Ober­flä­che), und “poor visi­bi­li­ty” (schlech­te Sicht). Wir hoff­ten das Bes­te, fuh­ren los und wur­den lei­der zum ers­ten Mal auf der Rei­se vom Wet­ter­gott im Stich gelas­sen.

Der schnells­te und vor allem der schöns­te Weg zwi­schen die­sen bei­den Orten führt ab Lake Loui­se über den Ice­fiel­ds Park­way. Nor­ma­ler­wei­se kann man die Stre­cke in etwa 3,5 Stun­den schaf­fen. Mit tol­len Sehens­wür­dig­kei­ten wie dem Crow­foot Glet­scher, Bow Pass oder den Sun­wap­ta Falls kann es durch den einen oder ande­ren Foto­s­topp auch mal län­ger dau­ern. Unser lei­der ein­zi­ger Foto­s­topp auf der Stre­cke war gleich am Anfang.

Das berühm­te Fair­mont Cha­teau Lake Loui­se direkt am zuge­fro­re­nen See, ist Treff­punkt für wirk­lich alle Grup­pen. Auf dem begeh­ba­ren See fand neben Eis­ho­ckey­spie­len, Schlitt­schuh­lau­fen und Schnee­ball­schlach­ten auch eine Hoch­zeit statt. Stan­des­ge­mäß fand man in der Nähe natür­lich ein Eis­schloss und eine Schnee­burg um das her­um diver­se Tou­ris­ten mit Schnee­mo­bi­len fuh­ren. Hier hät­te ich mich den gan­zen Tag auf­hal­ten kön­nen und es wäre nicht lang­wei­lig gewor­den. Da wir aller­dings noch bei Tages­licht in Banff ankom­men woll­ten, star­te­ten wir das Aben­teu­er Ice­fiel­ds Park­way.

Fairmont Chateau Lake Louise Hotel während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Fair­mont Cha­teau Lake Loui­se

Nerven behalten!

Sowas habe ich noch nicht gese­hen. Wir wuss­ten, dass die Stra­ßen­ver­hält­nis­se schlecht sein wür­den, aber dass wir so zit­tern müs­sen, hät­ten wir nicht erwar­tet. Meter­ho­he Schnee­wän­de zu bei­den Sei­ten, so hoch, dass nur noch gera­de so die Baum­spit­zen zu sehen waren, eine Stra­ße, die nur als sol­che zu erken­nen war, da vor uns bereits ande­re Autos Spu­ren im Schnee hin­ter­las­sen hat­ten und Gefäl­le und Stei­gun­gen soweit das Auge reicht brach­ten uns mäch­tig ins Schwit­zen. Nach dem Mot­to “Wer anhält ver­liert” fuh­ren wir mit kon­stan­ten 40 km/h die eigent­lich wun­der­schö­ne Stre­cke ab. Immer wie­der wur­den wir von SUVs über­holt und mit deren auf­ge­wir­bel­ten Schnee in den Blind­flug ver­setzt, aber mit unse­rem klei­nen Nis­san war ein­fach nicht mehr drin.

Heil­froh waren wir dann, als end­lich das Wet­ter bes­ser wur­de und wir das letz­te Vier­tel der Stre­cke mit rela­tiv guten Stra­ßen­ver­hält­nis­sen bewäl­tigt hat­ten und in Banff anka­men.

Icefields Parkway während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Auf den ers­ten Kilo­me­tern des Ice­fiel­ds Park­way

Nach die­ser ner­vernauf­rei­ben­den Fahrt gönn­ten wir uns in Banff einen “Well­ness­tag”. Die Banff Upper Hot­springs sind eine von neun natür­lich vor­kom­men­den hei­ßen Quel­len der Regi­on rund um Banff. Das hei­ße mine­ral­hal­ti­ge Quell­was­ser wird mit nor­ma­lem Was­ser ver­mischt bis eine Bade­tem­pe­ra­tur von etwa 38°C ent­steht. Das klei­ne Becken ist gera­de im Win­ter gut besucht, bringt hier aber etwas War­te­zeit mit. Das Pan­ora­ma zusam­men mit der tol­len Whirl­pool Atmo­sphä­re sind es aber die wert!

Banff Upper Hot Springs während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Banff Upper Hot Springs

Banff Nationalpark

Der dritt­äl­tes­te Natio­nal­park der Welt ist ver­mut­lich der Ort, den man mit West­ka­na­da am häu­figs­ten in Ver­bin­dung bringt. Hier gibt es unfass­bar blaue Seen, hohe und schnee­be­deck­te Ber­ge und unbe­rühr­te Natur soweit das Auge reicht. Ein abso­lu­tes Must-See auf jedem Road­t­rip durch Kana­da!

Wir besuch­ten hier den Johns­ton Can­yon. Die Schlucht mit­ten im Natio­nal­park ist gut 30 Minu­ten von Banff ent­fernt und gut zu erwan­dern. Hier erwar­ten dich die Lower Falls mit zehn Meter hohen Was­ser­fäl­len, die Upper Falls mit knapp 30 Meter hohen Fäl­len und die soge­nann­ten Ink Pots. Lei­der haben wir es wegen Eis und Schnee nur bis zu den Upper Falls nach gut 5 Kilo­me­tern geschafft. Aber dafür waren die­se super beein­dru­ckend. Die zuge­fro­re­ne obe­re Schicht ver­hin­der­te den Blick auf den eigent­li­chen Was­ser­fall, der hin­ter des Eises in die Tie­fe fiel.

Die Innen­stadt von Banff ist mei­ner Mei­nung nach eine der schöns­ten der Welt. Schon bei der Ein­fahrt ins Zen­trum war ich total beein­druckt. Ein rie­si­ger Berg taucht hin­ter den his­to­ri­schen Häu­sern der Stadt auf und umschließt den gesam­ten Ort. Geschäf­te, Restau­rants und Bars run­den das gan­ze ab. Hier kannst du ganz gemüt­lich den ein oder ande­ren Tag ver­brin­gen!

Letzte Etappe

Nach einem ereig­nis­rei­chen und tol­len Road­t­rip stand die letz­te Fahrt nach Cal­ga­ry an. Eine Nacht vor dem Abflug hat­ten wir hier zur Sicher­heit ein­ge­plant, falls wir wit­te­rungs­be­dingt irgend­wo hän­gen blei­ben soll­ten. Lei­der konn­ten wir krank­heits­be­dingt nichts mehr von der moder­nen Stadt sehen. So ende­te unser Auf­ent­halt in Kana­da, als wir am nächs­ten Tag den Miet­wa­gen zurück­ga­ben und am Flug­ha­fen auf unse­ren Rück­flug über Ams­ter­dam nach Frank­furt war­te­ten.

Fazit: Mit dem Mietwagen in Westkanada?

Bri­tish Colum­bia und Alber­ta sind beein­dru­cken­de Pro­vin­zen und extrem viel­sei­tig. Beson­ders die traum­haf­te Natur hat mich dazu bewo­gen unbe­dingt noch­mal im Som­mer her­zu­kom­men. Mit dem Miet­wa­gen in West­ka­na­da im Win­ter einen Road­t­rip zu unter­neh­men kann auch kräf­tig in die Hose gehen. Wären wir einen Tag frü­her oder spä­ter gestar­tet oder hät­ten die Tour umge­kehrt gemacht, wären wir auf jeden Fall irgend­wo hän­gen geblie­ben. Wir hat­ten unheim­li­ches Glück mit dem Wet­ter und eine wirk­lich tol­le Zeit hier, aber die nächs­te Rei­se hier­her wird defi­ni­tiv im Som­mer statt­fin­den.

Strand von Vancouver während der Tour per Mietwagen in Westkanada
Am Strand von Van­cou­ver — Bri­tish Colum­bia, Kana­da

Stay tun­ed!

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